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Inferno Festival 2025





Jedes Jahr, pünktlich zu Ostern, verwandelt sich Oslo in die Hochburg des extremen Metals. Wenn Metalheads aus aller Herren Länder durch die Straßen der norwegischen Hauptstadt ziehen, ist nämlich klar: Es ist wieder Inferno-Zeit!

Seit seiner Gründung im Jahr 2001 zählt das Inferno Metal Festival zu den wichtigsten Extreme Metal-Festivals – und das nicht nur wegen seines stets hochwertigen Lineups, sondern auch wegen seines interessanten Rahmenprogramms abseits der Konzerte. So darf sich der geneigte Fan auf Ausstellungen, eine Black Metal Bustour, eine Metal Auktion und viele andere spannende Dinge freuen.

Schon bei der Ankunft wird deutlich, dass das Inferno mehr ist als einfach nur ein Festival. Das Clarion Hotel The Hub, seit vielen Jahren offizielles Festivalhotel und zentraler Treffpunkt, ist längst Teil des Gesamterlebnisses. In der Lobby drängen sich schwarz gekleidete Metalheads aus aller Welt, Black Metal läuft im Hintergrund, alte Freunde fallen sich in die Arme und neue Bekanntschaften entstehen. Man gehört sofort dazu. Das Inferno fühlt sich einfach immer an wie ein großes, internationales Familientreffen. Die Hauptspielstätten Rockefeller und John Dee sind nur wenige Gehminuten entfernt, ergänzt durch zahlreiche Clubs und Bars wie Kniven, Dattera til Hagen, Vaterland, Brewgata und das Goldie.

Das diesjährige Inferno 2025 steht jedoch unter einem besonderen, emotionalen Vorzeichen. Diese Ausgabe ist dem Andenken an Jan-Martin Jensen gewidmet, den langjährigen Festival-Boss und eine der prägendsten Figuren der norwegischen Metalszene, der im Februar nach schwerer Krankheit verstorben ist. Es ist das letzte Inferno, an dessen Planung er noch beteiligt war.

Während Oslo sich bereitwillig von der Metalhorde erobern lässt, liegt eine besondere Spannung in der Luft. Das Inferno beginnt!






 

DONNERSTAG





Durch die späte Landung unseres Fluges gegen 14:00 Uhr und das Einchecken im Hotel bleibt für uns leider kaum Zeit zum Durchatmen. Nachdem wir unsere Bändchen abgeholt haben, wird leider schnell klar: Für Dødheimsgard reicht es leider nicht mehr. Also, auf zum Rockefeller! Dort schaffen wir es gerade noch rechtzeitig vor die Hauptbühne - und stehen pünktlich bereit, als NECROPHOBIC loslegen…


NECROPHOBIC

…denn nach dem verpassten Auftakt ist das hier unser eigentlicher Start ins diesjährige Inferno, und NECROPHOBIC liefern vom ersten Ton an genau das, was wir erwartet haben. Denn bereits 2018 und 2019 haben die Jungs - damals noch auf der kleineren Bühne unten im John Dee - eindrucksvoll unter Beweis gestellt, was für eine großartige Liveband sie sind.

Nachdem die schwedischen Black/Death Metal-Institution in der gut gefüllten Halle von der Meute mit lautem Jubel begrüßt wird, geht man direkt in die Vollen und liefert eine gute Mischung aus Klassikern und Songs vom aktuellen Album „In the Twilight Grey“ (2024). Songs wie „Tsar Bomba“, „Stormcrow“, „Mark of the Necrogram“ und „Grace of the Past“ gehen voll in die Fresse, während „Darkside“ und „The Nocturnal Silence“ für Gänsehaut und nostalgische Momente sorgen. Auch optisch lassen sich die Herren um Frontmann Anders Strokirk nicht lumpen und sind (wie immer stilecht mit Corpsepaint, Leder, Nieten und Ketten unterwegs) ein absoluter Hingucker. Alles in allem ein Abriss, der seinesgleichen sucht!

 

TIAMAT

Nach diesem grandiosen Auftakt geht es mit TIAMAT weiter. Die Schweden haben bereits länger nicht mehr in Norwegen gespielt, entsprechend hoch sind die Erwartungen im Publikum. Doch das Quartett um Frontmann Johan Edlund enttäuscht uns zum Glück überhaupt nicht. Der Fokus des Sets liegt erfreulicherweise auf den legendären und besten Alben der Schweden - „Clouds“ (1992) und „Wildhoney“ (1994), denen rund zwei Drittel der Spielzeit gewidmet sind. Zwischen Doom, Gothic und Melancholie entfaltet sich eine Atmosphäre, die gleichermaßen nostalgisch wie zeitlos wirkt. Ruhigere Klassiker wie „The Sleeping Beauty“ und „Whatever That Hurts“ sorgen für Gänsehautmomente im Publikum. Trotz der getragenen Grundstimmung gibt es auch Momente, in denen sich die Stimmung merklich hebt. Spätestens bei „Vote for Love“ ist der Bann gebrochen: Der Song wird lautstark mitgesungen und verwandelt den Rockefeller für einen Moment in einen kollektiven Chor. Es ist dieser Kontrast zwischen Dunkelheit und Eingängigkeit, der Tiamat seit jeher ausmacht und an diesem Abend besonders gut funktioniert. Beide Daumen hoch!

SETLIST TIAMAT

In a Dream

Clouds

The Sleeping Beauty

Divided

Raining Dead Angels

Mountain of Doom

Whatever That Hurts

The Ar

Visionaire

Equinox of the Gods

Vote for Love

Gaia

 

SPECRAL WOUND 

Deutlich härter und kompromissloser geht es anschließend mit SPECRAL WOUND im John Dee zur Sache. Die Kanadier reißen den kleineren der beiden Hauptclubs mit einem Mix aus eiskaltem Black Metal und treibender Rock’n’Roll-Attitüde regelrecht ein. Schwarz bis ins Mark, aber gleichzeitig überraschend groovig, entfaltet sich hier eine Energie, der man sich kaum entziehen kann. Schon lange vor Showbeginn ist klar, wie hoch die Erwartungen sind - das John Dee ist nämlich schon früh so proppenvoll, dass der Einlass wird zeitweise gestoppt werden muss.  Frontmann Jonah erweist sich als echtes Tier auf der Bühne. Voller Energie zieht er die Menge mit einer Intensität in den Bann, die ihresgleichen sucht. Musikalisch treffen rohe Aggression und dichte Atmosphäre aufeinander, getragen von messerscharfen Riffs und einem konstanten Vorwärtsdrang. Spectral Wound hinterlassen ein Publikum, das gleichermaßen erschöpft wie euphorisiert ist. Definitiv eines der heutigen Highlights!

 

BATUSHKA

Nach den vorangegangenen Abrissen sind wir mehr als bereit für BATUSHKA! Die Truppe um Krzysztof Drabikowski betritt die Bühne - und als die ersten Kerzen angezündet werden, senkt sich eine spürbare Schwere über das Rockefeller. Das Ritual kann beginnen! Der Bühnenaufbau gleicht einer orthodoxen Liturgie: Ikonografie, Weihrauch, Altar, Kerzenlicht. In schwarze Gewänder gehüllt, die Gesichter verborgen, agiert die Band mit kalter Disziplin und nahezu sakraler Ernsthaftigkeit. Die Mischung aus atmosphärischem Black Metal, liturgischen Gesängen und kirchenslawischen Texten entfaltet eine hypnotische Wirkung, der sich kaum jemand entziehen kann. Musikalisch spulen die Polen ihr bekanntes Programm ab - doch genau das funktioniert an hier und heute perfekt. Die wuchtigen Riffs und Blastbeats wechseln sich mit chorartigen Passagen ab und beim Intro zu „Yekteníya 3“ klatscht die komplette Halle im Takt und wird selbst Teil der Zeremonie. Erwähnenswert wäre noch, dass ein Bild von Jan-Martin Jensen auf dem Bühnensarg zu sehen ist. Damit erweist die Band dem verstorbenen Inferno Festival-Boss die letzte Ehre. Fazit: Sowohl visuell als auch musikalisch ein absolut überzeugender Auftritt!

 

ABBATH

Den Headliner des Abends gibt heute Ex-Immotal-Frontmann ABBATH. Nebel quillt über die Bühne, Feuerbälle zünden, und als Abbath im klassischen Corpsepaint und mit Rüstung erscheint, bricht das Rockefeller in frenetischen Jubel aus. Denn heute Abend stehen ausschließlich IMMORTAL-Klassiker auf der Setlist, passend zur aktuellen „Return to the Raven Realms“-Tour. Ohne Umschweife geht es mit „Withstand the Fall of Time“ los, gefolgt von „Sons of Northern Darkness“. Die Riffs schneiden frostig durch den Raum, Schlachtrufe hallen von den Wänden wider, und für einen Moment scheint in Oslo wieder tiefster Winter zu sein. Besonders episch wird’s dann mit Klassikern wie „Call of the Wintermoon“ und „Blashyrkh (Mighty Ravendark)“, die an diesem Abend eine geradezu majestätische Wirkung entfalten. Pyroeffekte bei „Damned in Black“ verstärken die ohnehin massive Bühnenpräsenz zusätzlich. Der Sound indes ist dabei glasklar und druckvoll - einfach perfekt! Vor der Bühne fliegen Bierbecher, Moshpits bilden sich (was in Norwegen eher selten ist) und sogar einige Crowdsurfer sind unterwegs. Abbath selbst ist der geborene Frontmann. Charismatisch, selbstironisch und stets für einen absurden Zuruf zwischen den Songs gut, hält er die Menge spielend bei Laune. Die Band wirkt sichtlich gut gelaunt und voller Spielfreude, was sich in einer energiegeladenen, souveränen Performance widerspiegelt. Ein absolut würdiger Headliner!

SETLIST ABBATH

Withstand the Fall of Time

Sons of Northern Darkness

All Shall Fall

Solarfall

One by One

Damned in Black

Years of Silent Sorrow

Nebular Ravens Winter

Mountains of Might

The Call of the Wintermoon

Blashyrkh (Mighty Ravendark)

The Sun No Longer Rises

 

FREITAG

 

KIRKEBRANN

Der nunmehr zweite Festivaltag beginnt für uns mit dem Auftritt von KIRKEBRANN, die sich anschicken, bereits um 15:00 Uhr die Bühne des „Vaterland“ unsicher zu machen. Das Vaterland ist eine der kleineren, aber stimmungsvollsten Spielstätten des Inferno Festivals. Leider stehen wir etwa eine Stunde in der Schlange vor dem Club - es werden nämlich nur noch Menschen hineingelassen, wenn jemand das Gebäude verlässt. Als man uns endlich Einlass gewährt, ist der Club in der oberen Etage entsprechend gut gefüllt. Kirkebrann spielen unterdessen ihren rohen, kompromisslosen Black Metal und treffen damit genau den Nerv des Publikums. Und wir bekommen zum Glück wenigstens die letzten drei Songs der Norweger zu hören. Beim Song „Lange Netter“ ist außerdem Carpathian Forest-Frontmann Nattefrost als Gastmusiker mit von der Partie, was für uns die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist. Memo an uns selbst und alle Betroffenen: beim nächsten Mal sollte man sich mindestens eine Stunde vor Beginn des jeweiligen Gigs vor dem Vaterland einfinden.

SETLIST KIRKEBRANN

En slaves frihet

Englemaker

Døden Byr Opp Til Dans

Parasittenes planet

Lange Netter

Når alt dør

Den som hater

 

BLOOD INCANTATION

Auf den Auftritt von BLOOD INCANTATION haben sich viele Festivalbesucher heute wohl am meisten gefreut. Dementsprechend voll ist das Rockefeller, als die Death Metal-Combo aus Denver die Bretter der Hauptbühne betritt. Schon beim Blick auf das Bühnenbild wird klar, dass hier mehr passiert als ein klassischer Death-Metal-Gig: Zwei Obelisken flankieren die Bühne und wirken zugleich archaisch und außerirdisch - passend zum aktuellen Album „Absolute Elsewhere“, auf dem die Amis sehr psychedelisch und progressiv unterwegs sind. Und dieser aktuelle Silberling wird heute Abend auch komplett zum Besten gegeben! Die Meute vor der Bühne reagiert begeistert: In den härteren Passagen wird gemosht, während die progressiven und psychedelischen Teile mit spürbarer Konzentration verfolgt werden. Niemand wirkt ungeduldig. Im Gegenteil - das Publikum lässt sich vollständig auf die Dynamik des Albums ein. Groovige Passagen mit Anleihen bei Bands wie Morbid Angel, Death oder Nocturnus treffen auf progressive Wendungen, spacige Klanglandschaften und hypnotische Übergänge. Alles in allem werden unsere Erwartungen mehr als erfüllt. Starker Auftritt!

 

NON EST DEUS

NON EST DEUS ist ein Nebenprojekt des Kanonenfieber-Masterminds Noise. Heute Abend betritt die deutsche Black Metal-Formation das (wie immer gut gefüllte) John Dee in weißen Roben und Masken und schafft vom ersten Moment an eine dichte, unheilvolle Atmosphäre. Die Band verzichtet vollständig auf Ansagen zwischen den Songs und setzt stattdessen auf eine intensive, nonverbale Interaktion mit dem Publikum. Gesang und Schlagzeug dominieren den Sound gegenüber den Saiteninstrumenten leicht, was der Wucht und Eindringlichkeit des Auftritts jedoch keinen Abbruch tut. Wer Non Est Deus noch nicht kennt, dem sei diese Band ausdrücklich empfohlen!

 

SEPTICFLESH

Nun ist es Zeit für SEPTICFLESH, die um 21:15 Uhr oben auf der Hauptbühne spielen. Bereits mit dem atmosphärische Opener „The Collector“ ziehen die Griechen die Menge in ihren Bann. Dicht geschichtete Orchestrierungen, massive Riffs und präzise Blastbeats verschmelzen zu einem monumentalen Soundbild. Der charismatische Frontmann Spiros „Seth“ Antoniou peitscht mit unbändiger Energie die Menge an und stellt immer wieder die Frage „Do you have the energy?“. Eine Frage, die mit Hinblick auf den tobenden Moshpit und die in die Luft ragenden Pommesgabeln längst beantwortet ist! Besonders bei Klassikern wie „Anubis“ und „We, the Gods“ erreicht die Stimmung ihren Siedepunkt. Auf der Setlist stehen sowohl aktuelle Stücke, als auch Klassiker der Band. Songs wie „Hierophant“, „Neuromancer“ und „Coming Storm“ werden nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Feine Sache!

SETLIST SEPTICFLESH

The Collector

The Vampire from Nazareth

Hierophant

Coming Storm

Neuromancer

Portrait of a Headless Man

Communion

Anubis

 

AETERNUS

Als vorletzte Band des Abends stehen AETERNUS auf dem Programm. Erstmals seit 2013 spielen die norwegischen Black/Death Metal-Urgesteine wieder auf dem Inferno Festival. Schon beim Einstieg mit „Raven and Blood“ füllt sich der John Dee zusehends. Wie immer im John Dee ist der Sound perfekt und das Publikum feiert Bergener trotz später Stunde ordentlich ab. Was will man mehr?

SETLIST AETERNUS

Raven and Blood

There's No Wine Like the Bloods Crimson

Existentialist Hunter

There Will Be None

Hedning

The Confusion of Tongues

World Bleak Nepotism

Death's Golden Truth Revealed

Sworn Revenge

 

1349

Den krönenden Abschluss des zweiten Tages machen 1349. Und sofort ist klar, dass hier kein Platz für Kompromisse ist. Ein kurzer Pyro-Moment mit Feuerspucker eröffnet das Set, dann bricht eine gnadenlose Wand aus Feuer, Raserei und Black Metal über das Rockefeller herein. Mit ihrem aktuellen Album „The Wolf & The King“ im Gepäck zeigen die Norweger eindrucksvoll, dass sie den Headlinerstatus absolut verdient haben - und das trotz anfänglicher Soundprobleme, die aber schnell behoben werden können. Hinterm Schlagzeug sitzt an diesem Abend ausnahmsweise Kevin Kvåle (Gaahls Wyrd), der Frost aber würdig vertritt, da dieser heute Abend mit Satyricon in Stockholm spielt. Die Setlist indes ist ein ausgewogener Mix aus Klassikern wie „Riders of the Apocalypse“ und „I Am Abomination“ sowie neueren Stücken wie „Ash of Ages“ oder „Shadow Point“. Die Norweger liefern pure, erbarmungslose Black-Metal-Gewalt - roh, technisch versiert und voller Überzeugung. Ein absoluter Abriss!

SETLIST 1349

Riders of the Apocalypse

Ash of Ages

Slaves

Through Eyes of Stone

Shadow Point

I Am Abomination

Striding the Chasm

Inferior Pathways

Blood Is the Mortar

The God Devourer

Atomic Chapel

Abyssos Antithesis

Golem

 

SAMSTAG

 

COVEN

Der nunmehr dritte Festivaltag beginnt für uns mit einer Band, die es schon gibt, bevor viele der Anwesenden überhaupt geboren waren! COVEN eröffnen auf der Hauptbühne im Rockefeller - und schreiben damit einmal mehr Geschichte. Seit 1967 aktiv, gelten sie sozusagen als okkulte Wegbereiter des Rock, und auch wenn ihr Sound weniger extrem ausfällt als der Großteil des übrigen, eher Extrem Metal-lastigen Billings, passen sie trotzdem perfekt aufs Inferno Festival! Frontfrau Jinx Dawson, der man ihre mittlerweile 75 Jahre nicht ansieht, steht dabei im Zentrum des Geschehens. Nachdem sich die Band Mitte der 70er zunächst aufgelöst hatte (nach Alben wie „Witchcraft Destroys Minds & Reaps Souls“ (1969), „Coven“ (1971) und „Blood on the Snow“ (1974) ), führt Dawson das Projekt seit 2007 mit neuer, deutlich jüngerer Besetzung weiter. Die Show beginnt spektakulär! Jinx entsteigt einem aufrechtstehenden Sarg, während Kerzenlichter die Bühne in flackerndes Halbdunkel tauchen und im Hintergrund okkulte Projektionen über die Leinwand laufen. Musikalisch bewegt sich die Band im psychedelischem Occult Rock. Bei Songs wie „Black Sabbath“ und „Wicked Woman“ wird klar, wie prägend Coven für nachfolgende Generationen von Bands (auch im Metal!) waren. Zum Abschluss spielen die US-Amerikaner den Song „Blood on the Snow“, bevor wir runter ins John Dee gehen, um uns SCHWEIN anzusehen.

 

SCHWEIN 

Mit Svein Solberg, vielen eher als SCHWEIN aus der Satyricon-Doku „Roadkill Extravaganza“ bekannt und als langjähriger Roadie u.a. für Dimmu Borgir, steht beim Inferno plötzlich nicht mehr der Mann im Hintergrund, sondern selbst als Musiker auf der Bühne. Das finden wir natürlich sehr spannend und laufen nach Coven sofort runter ins John Dee. Das Projekt des Norwegers hat sich Industrial Black Metal auf die Fahne geschrieben. Mit von der Partie sind außerdem die Satyricon-Musiker Steinar Gundersen (Gitarre) und Anders Hundstad (Keyboards) sowie Stig Amundsen (Order/Gluecifer) am Bass und Christian Svendsen (Gothminister/The Cumshots) hinter den Drums. Eine illustre Live-Band also. Das Publikum indes reagiert erst einmal verhalten, dann aber neugierig. Alles in allem ein Auftritt, der uns jetzt nicht komplett umhaut. Aber dennoch solide genug!

SETLIST SCHWEIN

Autocrats

Metan

Terror in Bergen

Darkness

Capitol Hill

A Schwein Für President

 

AURA NOIR

Wenn AURA NOIR im Festivalheft als „Norway’s ugliest band“ angekündigt werden, ist das natürlich mit einem kleinen Augenzwinkern gemeint und bezieht sich eher auf die Musik der Jungs. Und exakt das liefern sie dann auch: roher Black/Thrash Metal ohne irgendwelche Schnörkel, einfach nur direkt in die Fresse! Schon nach wenigen Minuten ist klar, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. Rasende Riffs, aggressiver Gesang und ein gnadenlos nach vorne peitschendes Schlagzeug bringen das Rockefeller zum kollektiven Ausrasten. Wir bekommen also genau das, was wir erwartet haben, und das ist auch gut so!


ROTTING CHRIST

Als vorletzte Band auf der Hauptbühne sind heute Abend ROTTING CHRIST am Start. Und wie erwartet, haben die Griechen das Publikum sofort im Griff. Denn kaum betreten die Herren um Frontmann Sakis Tolis die Bühne, bricht Jubel aus, und schon nach ein paar Songs bildet sich ein amtlicher Moshpit! Sakis indes sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum und betont In einer Ansage, wie sehr er sich über die vielen Menschen aus aller Welt freut, die hier zusammenkommen. Insgesamt liefern die Jungs ein energiegeladenes Set, das eigentlich keine Wünsche offenlässt. Klassiker wie „King of a Stellar War“ und „Grandis Spiritus Diavolos“ werden voller Inbrunst mitgesungen und auch neuere Stücke wie „Like Father, Like Son“ kommen sehr gut an. „Non Serviam“ darf natürlich nicht fehlen und wird von der Meute vor der Bühne geradezu zelebriert. Zwischendurch finden die Griechen auch ein paar Worte des Gedenkens an den verstorbenen Festival-Boss Jan-Martin Jensen, was vom Publikum mit warmem Applaus aufgenommen wird. Top!

SETLIST ROTTING CHRIST

666

P'unchaw kachun- Tuta kachun

Fire, God and Fear

Kata Ton Daimona Eaytoy

Like Father, Like Son

Elthe Kyrie

Non Serviam

Societas Satanas (Thou Art Lord cover)

Grandis Spiritus Diavolos

 

SATYRICON

Den Headliner-Posten des heutigen Abends übernehmen schließlich SATYRICON. Das Rockefeller ist brechend voll und man schafft es kaum noch, sich durch die Menge zu kämpfen. Wir haben uns oben auf dem Balkon zwei gute Plätze gesichert und haben eine gute Sicht auf die Bühne, so dass wir den Auftritt der norwegischen Black Metal-Legende voll und ganz genießen können. Satyr und Frost stehen wie immer als eingespielte Einheit auf der Bühne und wirken so souverän wie eh und je. Unterstützt von Phil Pieters Smith am Bass sowie Steinar „Azarak“ Gundersen und Attila Vörös an den Gitarren und Anders Hunstad an den Keyboards feuern sie einen Klassiker nach dem anderen ins dankbare Publikum. „Now, Diabolical“, „Repined Bastard Nation“ und „Black Crow on a Tombstone“ werden abgefeiert und lautstark mitgesungen. Mit „Walk the Path of Sorrow“ und „Hvite Krists Død“ geht’s dann zurück in die frühen 90s, während „The Pentagram Burns“ für erneute Ekstase vor der Bühne sorgt. „To the Mountains“ wird Jan-Martin Jensen gewidmet. Ein weiterer Gänsehautmoment! Eine echte Überraschung gibt’s dann bei „Phoenix“, denn plötzlich steht Sivert Høyem von Madrugada als Gastmusiker auf der Bühne, dessen Beitrag auf dem gleichnamigen Album absoluten Kultstatus hat. Mit dem (wie immer) frenetisch gefeierten Übersong „Mother North“ erreicht die Stimmung schließlich ihren Höhepunkt, doch die Jungs legen noch einen drauf und beenden den Abend mit „K.I.N.G.“. Ein perfekter Headliner!

SETLIST SATYRICON

Now, Diabolical

Repined Bastard Nation

Black Crow on a Tombstone

Deep Calleth Upon Deep

Walk the Path of Sorrow

Du som hater Gud

Hvite Krists død

Rhapsody in Filth

Filthgrinder

Black Wings and Withering Gloom

The Pentagram Burns

To the Mountains

Phoenix (mit Sivert Høyem)

Mother North

K.I.N.G.

 

SONNTAG

 

LAMENTARI

Den letzten Festivaltag eröffnen LAMENTARI aus Dänemark. Beim Betreten des Rockefellers fällt sofort die Inszenierung ins Auge: Kerzen flackern auf der Bühne, Salbei wird verräuchert und die Musiker tragen schwarze Capes und Masken. Frontmann Daniel Lønberg nimmt diese Umhänge später in einem fast zeremoniellen Akt ab. Die recht junge Band hat sich erst 2019 gegründet und spielt symphonischem Black– und Death Metal – und zwar mit deutlicher Vorliebe für opulente Arrangements. Obwohl das Publikum ist am letzten Festivaltag bereits etwas ausgedünnt ist, hat sich vor der Bühne trotzdem noch eine beachtliche Menge eingefunden. Viele scheinen neugierig auf die Dänen zu sein, die mit ihrem Debüt „Ex Umbra in Lucem“ vor allem Fans des symphonischen Black Metal begeistert haben. Die Atmosphäre im Rockefeller, verstärkt durch den Weihrauch und die ritualisierte Bühnenpräsenz, trägt ebenfalls dazu bei, dass wir uns den Auftritt komplett anschauen. Auch wenn man natürlich nicht jeden Song kennt, kommt das Set beim Publikum sehr gut an. Ein perfekter Auftakt für den letzten Festivaltag - und definitiv eine Band, die man sich merken sollte!

 

SCHAMMASCH

Als nächstes geben sich SCHAMMASCH die Ehre. Die Schweizer mischen avantgardistischen Back Metal mit Doom und Ambient. Die Bühne ist in rotes Licht getaucht und einige Bandmitglieder tragen anfangs Umhänge und Masken. Und was die Musik betrifft, passt so gut wie alles. Besonders auffällig ist der mehrstimmige Klargesang, der sich immer wieder in die ansonsten düsteren Klanglandschaften schiebt und dem Ganzen eine unerwartete Tiefe verleiht. Auf der Setlist wird die gesamte Schaffensphase der Band berücksichtigt und Songs wie „They Have Found Their Master“ oder „Golden Light“ kommen beim Großteil des Publikums sehr gut an. Fazit: wer avantgardistischen, atmosphärischen Black Metal liebt, bekommt genau das, was er erwartet.

SETLIST SCHAMMASCH

Winds That Pierce the Silence

They Have Found Their Master

Golden Light

A Paradigm of Beauty

Metanoia

Chimerical Hope

 

NAGLFAR

Anschließend entern NAGLFAR die Hauptbühne. Die Jungs aus dem schwedischen Umeå sind seit 1992 für melodischen Black Metal - und genau das liefern sie auch heute Abend! Nach all der rohen Brutalität zuvor wirkt ihr Sound fast schon geschliffen, ohne dabei auch nur einen Deut an Härte einzubüßen. Mit „And the World Shall Be Your Grave“ eröffnen die Schweden ihr Set und ziehen die Meute vor der Bühne sofort auf ihre Seite. Die Setlist bewegt sich quer durch die Diskografie, von den 90ern bis zu aktuellen Songs. „Blades“, „The Darkest Road“, „Vortex of Negativity“, dazu „Feeding Moloch“ und „Harvest“ - ein perfekter Mix, würde ich sagen! Die Musiker sind spielfreudig und voller Energie unterwegs, werfen sich in Posen, feuern Riffs wie Maschinengewehrsalven in die Menge und wirken dabei aber keineswegs zu routiniert oder gar müde. Das Publikum dankt es ihnen und feiert die Band gehörig ab. Ein durchweg gelungener Auftritt!


TSJUDER

Auf TSJUDER habe ich mich besonders gefreut, denn die Norweger haben eine besondere Show vorbereitet. Und wie erwartet liefern sie auf der ganzen Linie! Aber der Reihe nach: Zunächst gibt‘s wie gewohnt das volle Tsjuder-Brett. Corpsepaint, Spikes, umgedrehte Kreuze, kaltes Licht. Nag keift sich mit seinen rohen Vocals durch Klassiker wie „Possessed“, „Kill for Satan“, „Ghoul“ und „Kaos“, während Gitarrist Draugluin seine Riffs runterschreddert und das Haupthaar kreisen lässt. So muss Black Metal sein - aggressiv, in die Fresse und ohne Gedöns! Nach dem eigenen Set wird die Bühne dann ein wenig umgebaut, das Backdrop wird wechselt und plötzlich sieht man das legendäre Bathory-Ziegenlogo im Hintergrund. Das bedeutet, dass Ex-Bathory-Basser Frederick Melander dazustößt, um gemeinsam mit den Norwegern einige Songs seiner ehemaligen Band zum Besten zu geben. Ein Teil des Publikums weiß bereits Bescheid, der Rest ist überrascht - aber alle freuen sich sichtlich. Auf der Setlist stehen jetzt Bathory-Klassiker wie „Sacrifice“, „The Return of Darkness and Evil“, „Woman of Dark Desires“, später folgt dann noch „Born for Burning“. Nag überlässt Melander den Posten am Bass und konzentriert sich ganz auf seinen Gesang. Die Stimmung im Rockefeller kippt nun endgültig in kollektive Euphorie, denn das bekommt der geneigte Black Metal-Fan nicht alle Tage geboten. Ein unvergesslicher Gig, würde ich sagen!

SETLIST TSJUDER

Malignant Coronation

Possessed

Kill for Satan

Prestehammeren

Ghoul

Mouth of Madness

Slakt

Gods of Black Blood

Kaos

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Bathory-Set mit Frederick Melander am Bass:

Sacrifice (Bathory Cover)

The Return of Darkness and Evil (Bathory Cover)

Woman of Dark Desires (Bathory Cover)

Satan My Master (Bathory Cover)

Raise the Dead (Bathory Cover)

Born for Burning (Bathory Cover)

 

BEHEMOTH

Den Abschluss des Wochenendes und den Headlinerposten übernehmen BEHEMOTH. Als wir von einer Raucherpause auf der Dachterrasse zurückkommen, platzt das Rockefeller wie erwartet aus allen Nähten. Als dritter Teil der „Unholy Trinity“-Tour mit Satyricon und Rotting Christ mobilisieren die Polen noch einmal (gefühlt) alle Festivalbesucher, die erwartungsvoll vor der Hauptbühne ausharren. Los geht‘s mit „The Shadow Elite“, einem Vorgeschmack auf‘s kommende Album „The Shit ov God“. Direkt danach folgt „Ora Pro Nobis Lucifer“ - und mit den ersten Pyro-Salven steht das Rockefeller komplett in Flammen. Feuerfontänen, Rauch, Projektionen auf dem Backdrop, Konfetti zum Schluss - klotzen, nicht kleckern lautet die Devise. Frontmann Nergal ist unterdessen bestens gelaunt, sucht immer wieder den Kontakt zu den Fans in der ersten Reihe, steht mit Orion direkt am Bühnenrand und scherzt darüber, wie riesig ihm das Rockefeller bei ihrem ersten Inferno-Auftritt vorkam. Und heute ist es einfach das kleinste Venue der Tour! Auf der Setlist wird die gesamte Schaffensphase der Band berücksichtigt. Ältere Klassiker wie „Conquer All“, „Blow Your Trumpets Gabriel“ und „Bartzabel“ zünden genauso wie neue Songs wie z.B. „The Shit ov God“ oder „Lvciferaeon“. Das Publikum feiert alles mit der gleichen Begeisterung ab. Mit „Demigod“, „Christians to the Lions“ und dem überraschend frühen „Cursed Angel of Doom“ geht’s dann sogar zurück zu den Anfängen. Spätestens bei „Chant for Eschaton 2000“ bringen die Jungs das Rockefeller endgültig zum Kochen. Der Sound ist druckvoll und glasklar, sowie man es auf dem Inferno gewohnt ist. Mit „O Father O Satan O Sun!“ endet dann schließlich nicht nur die Headliner-Show von Behemoth, sondern leider auch das gesamte Inferno Festival 2025. Ich würde sagen: ein perfekter Schlusspunkt unter ein Wochenende, das mal wieder zeigt, warum das Inferno für uns und viele andere Metalheads bei weitem mehr ist, als nur einfach ein Festival mit vielen guten Bands!

SETLIST BEHEMOTH

The Shadow Elite

Ora Pro Nobis Lucifer

Demigod

The Shit ov God

Conquer All

Blow Your Trumpets Gabriel

Ov Fire and the Void

Lvciferaeon

Bartzabel

Solve

Wolves ov Siberia

Once Upon a Pale Horse

Christians to the Lions

Cursed Angel of Doom

Chant for Eschaton 2000

O Father O Satan O Sun!

 

FAZIT

Das Inferno war für uns schon immer mehr als einfach nur ein Festival. Und auch dieses Jahr haben die Organisatoren wieder unter Beweis gestellt, dass das nach wie vor gilt! Alles läuft (wie immer) wie am Schnürchen, Lineup-technisch bewegt man sich quer durch den (Extrem-Metallischen) Gemüsegarten - von Black Metal über Death Metal, Doom, Thrash bis hin zu experimentellen Spielarten, hier wird jeder Fan glücklich. Man hüpft von Venue zu Venue, trifft alte Freunde und Bekannte wieder, kommt mit neuen, tollen Menschen aus aller Welt ins Gespräch. Genau das macht dieses Festival aus! Es ist einfach eine Art Familientreffen und für uns bereits seit 2001 eine feste Größe im Festival-Kalender. Deshalb kommen wir wieder. Bis zum nächsten Jahr!

TOP: TSJUDER, SATYRICON, COVEN, die Atmosphäre, die Community, das Hotel-Frühstück.

FLOP: Ich verstehe die Frage nicht!



IMPRESSIONEN
























Come To The SUMMER BREEZE Open Air!