Veranstaltungsdatum: Montag, 15.06.2026
Ort: Café Atlantik, Freiburg im Breisgau
Barrierefreiheit: Berollbar, es darf geraucht werden, kein barrierefreies Sanitär vorhanden
Die Erwartungen sind hoch, wenn die 1993 gegründete Progressive Metal Band Evergrey aus Schweden ihren Auftritt in Freiburg im Breisgau bestreitet.
Doch bevor es überhaupt losgeht, kommt es zunächst einmal zu einer Änderung der Location. Statt dem doch etwas geräumigeren Kultklub Crash wird der Auftritt in das nicht weniger beliebte Café Atlantik verschoben. Über die Gründe lässt sich nur mutmaßen, vermutlich hat es aber damit zu tun, dass es jüngst Berichte über die anstehende Schließung des Crashs gibt.
Fakt ist, an diesem Abend steht ein besonderer Auftritt an, denn gerade kommen Evergrey von ihrem Gig in Amsterdam, wo sie als Opener für Iron Maiden vor 35.000 Zuschauer*innen gespielt haben.
Im Kontrast dazu stehen heute etwa 60 vorverkaufte Karten plus Abendkasse, am Ende sind es um die 100 bis 150 Metaller. Freiburg muss sich heute also Mühe geben, um bei den vorherigen Auftritten mitzuhalten. Die Stimmung ist ausgelassen und es wird schnell voll im Café.
SINNERS AND KINGS
Einheizen dürfen heute die Schwermetaller von SINNERS AND KINGS, eine lokale Band aus Altdorf. Schon ab dem ersten Song überzeugt die Band mit überraschend gutem Klang, beißenden Gitarrenriffs, technisch einwandfreien Soli und rauen Vocals, teils sogar mit Screaming Parts.
Trotz wirklich guter Show und der mehrfachen Einladung näher an die Bühne zu treten, bleibt das Publikum zunächst noch etwas schüchtern. Das liegt aber wohl eher an dem verhaltenen Wochenstart, schließlich ist es Montagabend. Doch spätestens nach den ersten drei Songs fangen dann auch die kritischsten Musikfans an mit dem Kopf zu nicken.
Der Titel „Way of Life „startet mit einem politischen Statement gegen kriegssüchtige Politiker*innen und das Zusammenhalten aller Metalfans weltweit. Später wird die antifaschistische Haltung der Band nochmal klar benannt: „Fuck Merz! Fuck Nitanjahu!“ Für mich eine schöne und wichtige Geste, die ich in der Metalszene doch auch häufig vermisse.
40 Minuten lang beehrt der Opener die Zuschauer mit klassischem Heavy Metal, gekonntem Rhythmus und geradlinigem Tempo.
Wer sich selbst ein Bild von Sinners and Kings machen möchte kann das jederzeit über You Tube, ein Reinhören lohnt sich:
https://youtube.com/@sinnerskings?si=f-QAOn8mf5ClFTBN

EVERGREY
Das inzwischen bestens eingestimmte Publikum ist mehr als bereit als nach einer kurzen Pause die fünf Progressive-Metaller von EVERGREY die Bühne betreten und direkt mit „Falling From the Sun“ einen richtigen Publikumskracher liefern.
Viel Platz für Bewegungen und die gewohnte Show bietet die Bühne allerdings leider nicht. Vor allem durch das im Vergleich zum Opener zusätzliche Instrument von Keyboarder Rikard Zander wirkt alles sehr gedrungen und auch die Lichtshow lässt zu wünschen übrig, sodass die Musiker überwiegend im Halbdunkel spielen, während ein einzelner trauriger Scheinwerfer die Beine von Vocalist und Gitarrenvirtuose Tom S. Englund beleuchtet. Dieser Umstand ist aber den Kapazitäten der Location geschuldet, die nun mal im Alltagsbetrieb eher auf den Kneipenbetrieb ausgelegt ist. Und während sich manche Bands, vor allem wenn sie größeres Publikum gewöhnt sind, davon hätten die Laune vermiesen lassen, so vermitteln Evergrey nicht eine Sekunde das Gefühl keinen Spaß zu haben. Vor allem Bassist Johan Niemann kann sich das ein oder andere breite Grinsen nicht verkneifen.
Während der folgenden Songs liefern Gitarrist Stephen Platt und Frontmann Tom S. Englund ein starkes Gitarrensolo nach dem anderen. Vor allem „Heaven“ und „Say“ stechen hier als meine persönlichen Favoriten heraus.
Aufgrund der verschiedenen Drop-Tunings der einzelnen Songs gibt es zwischen den Liedern immer wieder Gitarrenwechsel, während Bassist Johan zumeist bei seinem Drop-A-Tuning bleibt, wie er uns im späteren Gespräch verrät.
Für einen der ergreifendsten Momente des Abends sorgt die Ballade „I‘m Sorry“, bei der nur Sänger Tom S. Englund und Keyboarder Rikard Zander auf der Bühne stehen. Nach heftigem Jubel und der offensichtlichen Emotionalität mancher Fans kommentiert der Frontman: „It‘s just a song, take it easy“.
Später tritt Gitarrist Stephen mit seiner weißen Solar-Gitarre mitten ins Publikum. Eine gut genutzte Möglichkeit, der doch recht beengten Bühnensituation etwas entgegenzusetzen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen.
Es gibt auch den gleichnamigen Track zum erst am 05.06.2026 erschienen Studioalbum „We Are the Architects of a New World” (via Napalm Records) zu hören. Es ist das beeindruckende fünfzehnte Album der Band.
Beim vorletzten Song „Leaving the Emptiness”, der im Übrigen auch auf der neuen Platte zu hören ist, fordert der charismatische Sänger die Menge auf mit ihm gemeinsam zu springen. Besonders die Fans in den ersten Reihen kommen dieser Aufforderung gerne nach.
Der Track “OXYGEN!” rundet das Konzerterlebnis schließlich perfekt ab. Tom zeigt immer wieder in die Menge und singt die Liedzeile „I wish i could find my way like you“, was für Gänsehaut sorgt.
Zum Schluss verbeugt sich die Band noch einmal zum Dank, während das ganze Publikum zu den Keys mitklatscht und die Melodie mitsingt.
Eine Zugabe bleibt zwar aus, aber im Anschluss an die Show fügen sich die Musiker in den Barbetrieb ein und geben jedem die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Gespräch, einem Foto oder einem Autogramm.
Nach Freiburg stehen für Evergrey weitere Shows in Europa an, darunter auch das Graspop Metal Meeting (GMM). Im Herbst folgen dann eine USA-Tour und die „Great Southern Emptiness“ Australian Tour.
Fazit: Auch wenn die Location meiner Meinung nach für eine Band dieser Größenordnung nicht optimal war und die Musiker dadurch deutlich limitiert waren, haben mich Evergrey mitreißen können. Professionelles Auftreten, hohes technisches Spielniveau und eine Menge Ohrwurmpotential. Die Songs des neuen Albums funktionierten live hervorragend, und generell war die Setlist ein gut gewählter Durchschnitt durch die bestehende Diskografie.
Mich hat persönlich vor allem der Tiefgang und die Message der Band angesprochen, an den eigenen Träumen festzuhalten und nicht kampflos aufzugeben.
Setlist Evergrey
1. Falling From the Sun
2. Where August Mourn
3. Heaven
4. Weightless
5. Say
6. The World Is on Fire
7. Eternal Nocturnal
8. Call Out the Dark
9. King of Errors
10. A Silent Arc
11. Words Mean Nothing
12. I'm Sorry
13. Architects of the New Weave
14. A Touch of Blessing
15. Leaving the Emptiness
16. OXYGEN!




Bericht und Fotos: Fenris Mäling