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Party San Open Air 2025




Alle Jahre wieder ist es soweit! Das zweite August-Wochenende bedeutet für uns nur eins: Auto vollpacken, Bier verstauen und auf nach Schlotheim! Unser absolutes Lieblingsfestival ruft! Und diesem Ruf folgen wir natürlich auch dieses Jahr wieder nur allzu gerne.

 Seit mindestens 20 Jahren ist das Party.San Open Air ein fester (und der wahrscheinlich wichtigste) Termin in meinem Festivalkalender. Kaum ein anderes Festival schafft es jedes Jahr, ein Billing zusammenzustellen, bei dem man am liebsten wirklich jede Band sehen möchte. Egal ob Death Metal, Black Metal, Thrash, Grindcore, Doom Metal - hier gibt es wirklich für jeden Fan des extremen Metal genug spannende Bands. Vor allem schätze ich es sehr, dass auf dem PSOA relativ wenige Festivaltouristen in seltsamen Kostümen anzutreffen sind - so ist der große Teil des Publikums tatsächlich wegen der Musik am Start.

 

Etwa 10.000 Metalheads aus der ganzen Welt pilgern auch zur mittlerweile 29. Ausgabe wieder nach Schlotheim-Obermehler, um dem Mekka der extremen Stromgitarrenmusik einen Besuch abzustatten. Hier trifft man alte Freunde wieder und neue Bekanntschaften entstehen meistens schon beim ersten Bier auf dem Campingplatz. Herrlich!


 

Auch wir bauen unsere Zelte auf, holen unsere Akkreditierungen ab und machen uns anschließend auf den Weg zum Infield. Und wie jedes Jahr stellt sich sofort dieses großartige Gefühl ein, endlich wieder nach Hause gekommen zu sein. Überall bekannte Gesichter, entspannte Metalheads und eine Organisation, die einfach immer einwandfrei funktioniert. Nicht zu vergessen der Flugplatz Obermehler, der als Location fürs PSOA einfach perfekt ist. Genau deshalb ist das Party.San seit Jahren mein absolutes Lieblingsfestival.

 

Und das Lineup? Das ist mal wieder einmal zum Niederknien. Zwischen absoluten Legenden, exklusiven Reunion-Shows und interessanten Newcomern, die man vorher noch nicht auf dem Schirm hatte, fällt die Entscheidung oft schwer. Denn eigentlich möchte man ständig vor beiden Bühnen gleichzeitig stehen.

 

Aber genug geschnackt. Los geht’s mit OUTLAW!

 

DONNERSTAG

 

OUTLAW

OUTLAW gehören zu den positiven Überraschungen des diesjährigen PSOA, auch wenn die Brasilianer für uns längst kein unbeschriebenes Blatt mehr sind. Bereits ihr aktuelles, 2023 erschienenes Album „Reaching Beyond Assiah“ wusste nachhaltig zu überzeugen! Entsprechend hoch sind die Erwartungen, als wir die gut gefüllte Zeltbühne betreten. Dort machen Outlaw schnell klar, dass wir nicht zu viel erwartet haben. Im Gegenteil: Mit viel Spielfreude ziehen die Jungs das Publikum sofort in ihren Bann. Der melodisch angehauchte Black Metal der Brasilianer entfaltet live eine enorme Intensität, ohne dabei seine atmosphärische Seite einzubüßen. Bereits der Opener „Archangel's Fall“ sorgt für einen famosen Einstieg, bevor mit „To Burn This World and „Dissolve the Flesh“ und „Beyond the Realms of God“ weitere starke Songs folgen. Die Band wirkt bestens eingespielt und transportiert die düstere Stimmung ihrer Songs auch live sehr überzeugend. Was die Setlist betrifft, liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der aktuellen Scheibe „Reaching Beyond Assiah“. Mit „Through the Infinite Darkness“ und dem epischen Titeltrack „Reaching Beyond Assiah“ ist nach 35 Minuten Spielzeit schließlich Schicht. Top!

Setlist OUTLAW

Archangel's Fall

To Burn This World and Dissolve the Flesh

Beyond the Realms of God

Through the Infinite Darkness

Reaching Beyond Assiah

 

THE SPIRIT

Nach dem starken Auftritt von Outlaw geht es direkt weiter auf der Mainstage, wo THE SPIRIT bereits in den Startlöchern stehen. Dass die Saarländer inzwischen auf der großen Bühne spielen, kommt tatsächlich alles andere als überraschend. Nachdem sie vor einigen Jahren die Zeltbühne förmlich abgerissen und ihren Merch restlos ausverkauft hatten, ist dieser Slot natürlich mehr als verdient. Doch auch auf der großen Bühne fühlen sich The Spirit sichtlich wohl. Vom ersten Ton an überzeugt die Band auf der ganzen Linie. Technisch nahezu makellos und mit einer beeindruckenden Spielfreude zocken die Jungs ihren melodischen Black-/Death Metal, der sich merklich an Größen wie Dissection orientiert, genug Eigenständigkeit jedoch nicht vermissen lässt. Der druckvolle Sound tut sein Übriges, um den Songs genau die Wucht zu verleihen, die sie benötigen. Vor der Bühne hat sich indes eine beeindruckend große Menge versammelt, die The Spirit begeistert abfeiert. Spätestens bei „Illuminate The Night Sky“ ist die Stimmung auf dem Infield auf dem Höhepunkt. Doch auch Songs wie „Against Humanity“, „Spectres of Terror“ oder „Celestial Fire“ kommen super an. Alles in allem ein gelungener Auftritt!

 

FLESHGOD APOCALYPSE

Mit Fleshgod Apocalypse steht anschließend eine Band auf der Mainstage, die wie kaum eine andere polarisiert. Symphonischer Death Metal, gepaart mit Operngesang, Blastbeats und einer gehörigen Portion Theatralik - das muss man halt mögen. Wer sich drauf einlässt, bekommt allerdings eine beeindruckende Show geboten. Schon optisch fahren die Italiener schweres Geschütz auf. Ein riesiges Backdrop, das den Zuschauerraum eines Opernhauses zeigt, bildet die perfekte Kulisse für das Material des aktuellen Albums „Opera“. Dazu kommen barocke beziehungsweise viktorianisch anmutende Kostüme, ein Konzertflügel auf der Bühne und eine insgesamt stimmige Inszenierung. Den ersten großen Auftritt hat Sängerin Veronica Bordacchini, die mit einem von „Ave Maria“ begleiteten Intro die Bühne betritt. Im Laufe des Auftritts schreitet sie mit ausladenden Gesten über die Bühne, schwenkt eine italienische Flagge und setzt mit ihren kraftvollen Opern-Vocals immer wieder markante Akzente. Gerade dieser Kontrast aus klassischem Gesang und technisch anspruchsvollem Death Metal macht Fleshgod Apocalypse so einzigartig. Zusammen mit den vertrackten Gitarrenläufen und dem gewohnt starken Drumming entsteht eine Klangwand, die ihresgleichen sucht. Auch der Sound passt, und Songs wie „I Can Never Die“, „Pendulum“ oder „The Fool“ entfalten live ordentlich Druck. Trotzdem bleibt das Publikum etwas zurückhaltender, als man es vielleicht erwartet hätte. Zwar fliegen die Haare im Infield, und bei der von Frontmann Francesco Paoli geforderten Wall of Death machen einige Fans bereitwillig mit, doch insgesamt will der Funke nicht so ganz auf die gesamte Menge überspringen. Möglicherweise liegt es auch daran, dass der Schwerpunkt des Sets auf dem neueren Material liegt, das nicht bei jedem gleichermaßen zündet? Der Band selbst kann man jedenfalls kaum Vorwürfe machen. Musikalisch liefert sie wie immer auf hohem Niveau ab, und die Bühnenshow gehört ohne Zweifel zu den aufwendigsten des gesamten Tages. Man muss es halt mögen - oder eben nicht.

 

CHAOS INVOCATION

In der kleineren Zeltbühne übernimmt anschließend wieder AOP Records das Kommando. Mit CHAOS INVOCATION steht eine weitere Black Metal-Band aus dem Labelroster auf dem Programm - und die Jungs aus Rheinland-Pfalz machen von Anfang an klar, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. Bereits das Intro und der Titeltrack des aktuellen Albums „Wherever We Roam“ kommen super an. Das Zelt ist gut gefüllt und die Stimmung entsprechend! Chaos Invocation zocken sich mit scharfkantigen Riffs, donnerndem Schlagzeug und jeder Menge finsterer Atmosphäre durch ihr Set. Frontmann André Meyrink wirkt dabei weniger wie ein klassischer Frontmann, sondern mehr wie ein Prediger, der seine düsteren Botschaften ins Publikum schleudert. Mit „Where We Have Taken the Cross“, „This World Wants Us Dead“, „Ordonata Fields“, „The Mirror“ und dem abschließenden „A Stranger's Pale Hand“ liefert die Band jedenfalls ein Set ab, bei dem vor allem Fans des traditionellen Black Metal voll auf ihre Kosten kommen. Auch optisch passt alles perfekt. Blaues Licht, dichter Nebel und eine nahezu undurchdringliche Atmosphäre hüllen die Bühne ein. Sehr stimmungsvoll auf der einen Seite, für Fotografen allerdings leider alles andere als dankbar. Die Vocals indes sind nicht ganz perfekt abgemischt. Teilweise wirken sie fast zweistimmig oder mit starkem Hall belegt. Ob das bewusst so gewollt ist oder an der Technik liegt, kann ich natürlich nicht beurteilen. Den Großteil des Publikums stört’s allerdings nicht. Insgesamt ein starker Auftritt!

 

NAPALM DEATH

Zur Primetime entern die Grindcore-Legenden NAPALM DEATH die Mainstage und legen vom ersten Ton an alles in Schutt und Asche! Der Platz vor der Bühne ist so gut gefüllt wie kaum bei einer anderen Band am heutigen Tag. Und spätestens nach den ersten Minuten dürfte jedem klar sein, warum! Zwar muss die Band krankheitsbedingt auf Basser Shane Embury verzichten, doch Ersatzmann Adam Clarkson macht seinen Job mehr als ordentlich. Musikalisch gibt es ohnehin nichts auszusetzen. Der Sound ist druckvoll, die Songs sitzen perfekt und Napalm Death feuern eine Granate nach der anderen ins dankbare Publikum. Mit „Amoral“, „Contagion“, „Retreat To Nowhere“, „Silence Is Deafening“, „Pride Assassin“, „Scum“ oder dem ultrakurzen Pflichtprogramm „You Suffer“ mischt man Klassiker mit neueren Songs. Der eigentliche Blickfang ist aber wie immer Barney Greenway. Mit seinen mittlerweile 56 Jahren wirbelt der Frontmann noch immer über die Bühne, als hätte er einen eigenen Generator eingebaut. Kaum zu glauben, wie viel Energie in diesem Mann steckt. Und natürlich beschränkt sich Barney nicht aufs Singen. Seine politischen Ansagen gehören seit jeher dazu und machen auch vor Thüringen keinen Halt. Er spricht über Selbstbestimmung, positioniert sich klar gegen Rechtspopulismus und lässt ein deutliches „Fuck AfD!“ durchs Mikrofon schallen. Das wird zwar leider nicht von jedem im Publikum gleichermaßen begeistert aufgenommen, sorgt insgesamt aber für viel Zustimmung. Spätestens beim obligatorischen Dead Kennedys-Cover „Nazi Punks Fuck Off“ ist ohnehin klar, dass Napalm Death auch nach über vier Jahrzehnten keinen Millimeter von ihrer Haltung abrücken. Vor der Bühne herrscht unterdessen Ausnahmezustand! Moshpits öffnen sich quasi im Sekundentakt und diverse Crowdsurfer schweben Richtung Graben. Fazit: An diesem Abend beweisen Napalm Death mal wieder eindrucksvoll, warum sie bis heute zu den wichtigsten und besten Livebands im Grindcore gehören!

 

DARK ANGEL

Der Headliner des ersten Festivaltages ist mit DARK ANGEL eine echte Thrash-Metal-Legende. Dass die Kalifornier überhaupt wieder in Europa spielen und dann auch erstmals das Party.San beehren, ist für viele Fans schon Grund genug zur Vorfreude. Auch wenn sich das Infield nach Napalm Death merkbar lichtet, stört das die Band nicht im Geringsten. Mit „We Have Arrived“ geht‘s dann auch direkt in die Vollen! Der Sound ist druckvoll und passt perfekt zu den messerscharfen Riffs, die von der Bühne schallen. Ron Rinehart gibt sich dabei in Bestform. Wer nach den beiden neuen Songs der vergangenen Monate noch Zweifel an seiner Stimme hatte, wird an diesem Abend definitiv eines Besseren belehrt. Kraftvoll und voller Energie führt er durch das Set und spricht zwischen den Songs immer wieder über den Verlust von Gründungsmitglied Jim Durkin, aber auch über die ungebrochene Liebe zum Thrash Metal. Für Durkin steht seit 2023 Laura Christine an der Gitarre, und sie macht ihre Sache wirklich hervorragend. Mit technischer Präzision und jeder Menge Spielfreude passt sie super in die Band und beweist eindrucksvoll, dass sie die großen Fußstapfen mehr als ordentlich ausfüllt. Gemeinsam mit Eric Meyer sorgt sie für eine Riffwand, während Gene Hoglan hinter dem Schlagzeug einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellt, warum er seit Jahrzehnten als "Atomic Clock" verehrt wird.  Nach den ersten Klassikern „Time Does Not Heal“ und „No One Answers“ folgt mit „Extinction Level Event“ die aktuelle Comeback-Single, die live deutlich mehr Wucht entwickelt als auf CD. Anschließend erfüllt sich für viele Thrash-Fans ein kleiner Traum: Dark Angel zocken „Darkness Descends“ (1986) komplett und in der ursprünglichen Reihenfolge. Spätestens bei „The Burning Of Sodom“, „Merciless Death“, „Black Prophecies“ und dem finalen „Perish In Flames“ rasten die verbliebenen Fans vor der Bühne kollektiv aus. Ein verdienter Headliner!

Setlist DARK ANGEL

We Have Arrived

Time Does Not Heal

No One Answers

Extinction Level Event

Darkness Descends

The Burning of Sodom

Hunger of the Undead

Merciless Death

Death Is Certain (Life Is Not)

Black Prophecies

Perish in Flames

 

 

FREITAG

 

HERETIC WARFARE

Nachdem ich mich am Freitag langsam aus dem Zelt geschält hatte, um den gewohnt anstrengenden PSOA-Donnerstag zu verdauen, geht es um Punkt 15:20 Uhr zur Zeltbühne, um die Münsteraner Underground-Veteranen von HERETIC WARFARE entsprechend zu supporten. Ich selbst kenne die Band schon seit 13 Jahren und habe auch schon mehrfach mit ihnen die Bühne geteilt. Bisher traf man sich beim Party.San eigentlich immer vor den Bühnen - jetzt haben es HERETIC WARFARE wohl dank zwei wirklich geiler Alben AUF die Bühne ihres Lieblingsfestivals geschafft. Von Minute eins an werden keine Gefangenen gemacht. Intensiver, brutaler, blastbeatlastiger Death Metal vom feinsten, welcher gerade an diesem Tag mit Enthusiasmus und Spielfreude rübergebracht wird, dass es seinesgleichen sucht. Heretic Warfare haben die Meute nach dem ersten Song voll auf ihrer Seite, und sie liefern hier aus meiner Sicht eine ihrer überzeugendsten und stärksten Shows ab, die ich bisher von der Band sehen durfte. So gehört Death Metal zelebriert! Nach knapp 35 viel zu kurzen Minuten ist der Sturm dann leider vorüber und ich muss mich jetzt erst mal setzen. Spitzen Gig!

 

HELLBUTCHER

Mit HELLBUTCHER wird es auf der Mainstage herrlich räudig. Die Schweden um den gleichnamigen Nifelheim-Zwilling liefern genau die Art von Black-/Thrash-Metal ab, die live einfach super funktioniert: roh, direkt in die Fresse und ohne viel Gedöns. Und wer Nifelheim kennt, weiß wohl ziemlich genau, wohin die Reise hier geht. Per „Hellbutcher“ Gustavsson bleibt seinem Stil auch mit seiner neuen Band treu und zelebriert eine herrlich rotzige Mischung aus Heavy, Speed, Thrash und Black Metal. Schon optisch wird hier mit allen Metal-Klischees gespielt - und das ist auch gut so: Patronengurte, enge Lederhosen, kiloweise Nieten und Corpsepaint gehören hier genauso dazu wie jede Menge Posing. Vor allem Hellbutcher selbst ist wie immer ein echter Blickfang. Voller Energie fegt er über die Bühne, gestikuliert ununterbrochen Richtung Publikum und keift seine Texte mit einer Intensität heraus, als hätte ihn gerade persönlich jemand aus der Hölle geschickt! Songs wie „Violent Destruction“ oder „Possessed By The Devil's Flames“ gehen sofort ins Genick und werden vom Publikum dankbar aufgenommen. Musikalisch bewegt sich das Material zwar klar in der Tradition von Nifelheim, wirkt dabei aber etwas strukturierter und eingängiger. Dass Hellbutcher dabei bewusst auf eine reine Nifelheim-Nostalgieshow verzichtet und stattdessen fast ausschließlich auf das Material des Debütalbums setzt, ist sehr sympathisch. Dazu gibt‘s ordentlich Pyros, die trotz der noch hellen Tageszeit super zur Show der Schweden passen. Zum Abschluss geben die Jungs das Venom-Cover „Black Metal“ zum Besten, das von der Meute wie erwartet lautstark abgefeiert wird. Zwischendurch gibt es mit Iron Maidens Instrumental „Losfer Words (Big 'Orra)“ sogar noch eine kleine Hommage an Hellbutchers Lieblingsband. Sauber!






Setlist HELLBUTCHER

The Sword of Wrath

Perdition

Violent Destruction

Hordes of the Horned God

Death's Rider

Possessed by the Devil's Flames

Satan's Power

Inferno's Rage

Losfer Words (Big 'Orra) (Iron Maiden-Cover)

Black Metal (Venom-Cover)

 

SUFFOCATION

Es gibt Bands, bei denen ich Konzerte mit meinem Lieblingsessen in meinem Stammlokal vergleichen würde. Es haut einen zwar nicht mehr vom Hocker oder löst Freudensprünge aus, aber man kann sich auf einen gewissen Standard und eine gleichbleibende Qualität verlassen - und am Ende war‘s dann doch immer wieder gut. Auf dem PSOA waren SUFFOCATION ja nun schon ein paar Jahre nicht mehr, aber egal wo die Truppe um Terence Hobbs und Derek Boyer, welche ja quasi Masterminds und dauerhafte Konstanten des wechselnden Line-Ups sind, auftauchen so beweisen Suffocation doch immer wieder, dass hier routinierte Profis am Werk sind. So kommt auch die Show am Freitag mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, gepaart mit der gewohnten Durchschlagkraft eines Liechtensteiner Abrisshammers daher. Die Songauswahl baut hier sowohl auf neuere Songs, welche immer wieder von Klassikern aus der Zeit von „Human Waste“ oder „Effigy oft he Forgotten“ abgerundet wird. Im Programm „Seraphim Enslavement“ und „Perpetual Deception“ vom aktuellen Album, welche beweisen, dass mit Ricky Myers eine würdige Nachfolge für Frank Mullen gefunden wurde. Hoffentlich bleibt das auch erstmal so.  In Sachen Stimmgewalt steht er ihm in nichts nach. Ich freue mich persönlich über „Liege Of Inveracity“. Um diesen Song sind ja ganze Festivals entstanden. Abgeschlossen wird das Set mit „Infecting the Crypts“. Insgesamt eine sehr gute Auswahl aus Früh- und Spätwerk. Am Ende ist man doch wieder geflasht und zufrieden. Suffocation geht einfach immer! Nicht immer überragend, aber nie enttäuschend!

Setlist SUFFOCATION

Catatonia

Seraphim Enslavement

Pierced From Within

Clarity Through Deprivation

Effigy of the Forgotten

Perpetual Deception

Funeral Inception

Liege of Inveracity

Infecting the Crypts

 

BRUJERIA

Ein besonderes Highlight sind BRUJERIA, welche im letzten Jahr leider zwei herbe Schläge zu verkraften hatten. Zuerst verstarb im Juni 204 der langjährige Sänger Ciriaco „Pinche Peach“ Quezada und im September Bandgründer und Sänger Juan Brujo. Andere Bands hätte so ein Schlag wohl zum Aufgeben bewegt. Umso erfreulicher, trotz der traurigen Ereignisse, dass das Grind-Kartell von Bujeria die Fahne immer noch hochhält. Shane fehlt ebenfalls.  Na ja, im Großen und Ganzen hat die Band immer wieder mit wechselndem Line-Up gespielt und den einen oder anderen Gaststar auf die Bühne geholt. Trotz der Ernsthaftigkeit der Themen schafft es die Band immer wieder, den Spaß und die Ironie nicht zu kurz kommen zu lassen, ohne dabei in Klamaukecke abzudriften. Klassische Grindhooks mit Death Metal-Einflüssen und einer gehörigen Portion Mittelfinger-Attitüde sorgen für beste Stimmung und heizen den Moshpit und die Meute vor der Bühne gehörig ein. Brujeria zelebrieren ihren Auftritt, welcher von Song zu Song immer mehr Fahrt aufnimmt und dann mit „Matando Güeros“ nach 45 sehr kurzweiligen Minuten ein jähes Ende nimmt. Von mir aus kann der Tag so weiter gehen!

Setlist BRUJERIA

Brujerizmo

El desmadre

Hechando chingasos (Greñudos locos II)

Vayan sin miedo

La migra (Cruza la frontera II)

Chingo de mecos

Cristo de la roca

Desperado

Colas de rata

La ley de plomo

Revolución

Consejos narcos

Raza odiada (Pito Wilson)

Matando güeros

 

ROTTING CHRIST

Als Rotting Christ die Bühne betreten, beginnt langsam die Dämmerung einzusetzen - und es dürfte wohl kaum eine passendere Kulisse für die Griechen geben. Gemeinsam mit den Flammen auf der Bühne und dem imposanten Backdrop entfaltet sich von Beginn an genau die mystische Atmosphäre, für die Sakis Tolis und seine Mannen seit Jahrzehnten stehen. Schon das Intro stimmt auf einen starken Auftritt ein, bevor es mit „Χ Ξ Σ“ und dem direkt folgenden „P'unchaw Kachun – Tuta Kachun“ losgeht. Schnell wird klar, dass das Album „Κατά τον δαίμονα εαυτού“ diesmal den Schwerpunkt der Setlist bildet. Eine gute Entscheidung, denn gerade diese Songs funktionieren live einfach hervorragend! Aber auch neuere Stücke wie „Like Father, Like Son“ finden ihren Platz und fügen sich nahtlos ins Gesamtbild ein. Sakis Tolis zeigt sich wie immer als sympathischer und charismatischer Frontmann. Ohne große Gesten zieht er das Publikum in seinen Bann und wird dabei von seinen Mitstreitern bestens unterstützt. Man merkt der gesamten Band einfach an, dass sie unglaublich gerne gemeinsam live spielen. Natürlich dürfen auch die Klassiker nicht fehlen. Spätestens bei „Non Serviam“ grölt die Menge ordentlich mit, während es bei „Societas Satanas“ vor der Bühne endgültig kein Halten mehr gibt. Zum Abschluss steht schließlich „The Raven“ auf der Setlist, welches perfekt zur inzwischen vollständig hereingebrochenen Dunkelheit passt. Runde Sache!

 

I AM MORBID

Im Grunde haben wir am Freitag des diesjährigen PSOA zwei Bands, die den Status des Headliners verdient hätten.  Seit 10 Jahren ist Death Metal-Legande David Vincent nun mit seinem Projekt I AM MORBID unterwegs, um mit den Klassikern der legendären Morbid Angel über die Bühnen der Welt zu ziehen und damit gerade in Europa das Erbe einer Band ehrt, welche wohl wie kaum eine andere, Einfluss auf ein gesamtes Genre hatte. Ich muss ja zugeben, dass ich mich bisher immer ein wenig gegen dieses Projekt gesträubt habe, weil es nun mal nicht Morbid Angel ist. Ich hatte sie 2024 noch auf einem anderen Festival gesehen und da wollte der Funke oder wenn man so will, der alte „Spirit“ einfach nicht überspringen. Seit dem Einstieg von Pete Sandoval, spielen jedoch mehr Morbid Angel Urgesteine bei I Am Morbid, als heute beim „Original“ oder bei dem was davon übrig geblieben ist. Zugegeben, es ist der zweite PSOA-Tag, die dazugehörige Gesamtstimmung gepaart mit einer gewissen Bierseeligkeit, eine sehr gute Gelegenheit, dem Projekt mal wieder eine Chance zu geben. Ich muss sagen, es hat funktioniert. I am Morbid bieten einen sehr guten Querschnitt der Songs der ersten vier Alben und sind insgesamt bester Laune. Man merkt, dass die Jungs Bock auf das Set und das Festival haben und diese Stimmung überträgt sich schnell auf die zunehmende Menge an Mattenschwingern im Publikum. Mit „Domination“ und „Rature“ wird direkt mit Vollgas durchgestartet und insgesamt eine sehr ausgewogene Songauswahl präsentiert. Auffällig war, dass „Chapel of Ghouls“ mal nicht als künstliche Zugabe gespielt wird, wie es irgendwann mal üblich war. Ich will mich selbst da nicht rausnehmen und denke, dass hier sehr viele Leute noch mal den Soundtrack ihrer Jungend um die Ohren geballert bekommen - und das sehr gut eingespielte Team auf der Bühne bei entsprechend gutem Gesamtsound verstärkt das Gefühl noch mal zusätzlich. Wer kann schon ruhig bleiben, wenn das Signature-Riff von „Maze of Torment“ über die Festival-Area schallt? Für mich diesmal ein absolut gelungenes Erlebnis und mit kurz geschlossenen Augen, war ich wieder 16. Top!

 

TRIPTYKON PLAYS CELTIC FROST

Mit TRIPTYKON wartet zum Abschluss des nunmehr zweiten Festivaltages noch einmal eine echte Legende. Die Band um Tom G. Warrior (Ex-Hellhammer und -Celtic Frost) spielt hier und heute ein komplettes CELTIC FROST-Set - ein Wunsch, den sich wohl viele Fans schon lange erfüllt sehen wollten. Entsprechend gut gefüllt ist das Infield, als das düstere Intro „Totengott“ erklingt und die Band die Bühne betritt. Ohne lange Anlaufzeit geht es mit „Circle Of The Tyrants“ direkt in die Vollen. Spätestens jetzt ist klar, dass das kein gewöhnlicher Festivalauftritt wird. Es folgen Klassiker wie „The Usurper“, „Return To The Eve“, „Into The Crypts Of Rays“ und „Procreation (Of The Wicked)“, die mit einem druckvollen, hervorragend abgestimmten Sound eine ungeheure Wucht entfalten. Tom G. Warrior präsentiert sich dabei ausgesprochen gut gelaunt. Immer wieder bedankt er sich beim Publikum und erzählt, wie gerne er nach Schlotheim zurückkehrt. Seine sympathischen Ansagen lockern die Atmosphäre auf, ohne ihr die Intensität zu nehmen. Besonders emotional wird es, als er mehrere Songs dem verstorbenen Martin Eric Ain widmet. Gerade „A Dying God Coming Into Human Flesh“ und „Dethroned Emperor“ bekommen dadurch zusätzliches Gewicht. Neben den alten Klassikern finden auch Stücke des letzten CELTIC-FROST-Albums „Monotheist“ auf der Setlist, so z.B. „Ground“ oder „Synagoga Satanae“. Auch die Band selbst überzeugt durchweg. Gitarrist V. Santura, Bassistin Vanja Šlajh und Drummer Johannes Grossmann spielen die Songs mit sichtbarer Spielfreude und Leidenschaft. Und auch der Sound lässt keinerlei Wünsche offen. Mit dem Outro „Winter“ endet schließlich ein Auftritt, der für viele zu den Höhepunkten des gesamten Festivals gehören dürfte. Als sich die Band gemeinsam am Bühnenrand verbeugt und Tom G. Warrior mit einem schlichten „Triptykon verbeugt sich vor euch“ verabschiedet, gibt’s noch einmal ordentlich Applaus vom Publikum. Insgesamt eine würdige Headliner-Show, die zeigt, warum CELTIC FROST bis heute zu den einflussreichsten Bands des Extreme Metal zählen!

Setlist TRIPTYKON

Circle of the Tyrants

The Usurper

Return to the Eve

Into the Crypts of Rays

Procreation (of the Wicked)

Ground

Sorrows of the Moon

A Dying God Coming Into Human Flesh

Dethroned Emperor

Necromantical Screams

Synagoga Satanae


 

SAMSTAG

 

SCHIZOPHRENIA

Für mich startet der Samstag mit einer ordentlichen Portion Death-Thrash aus Belgien. SCHIZOPHRENIA entern um 14:45 Uhr Mainstage und machen von der ersten Minute an klar, dass heute keine Zeit zum Warmwerden bleibt. Stattdessen gibt’s von er ersten Minute an direkt in die Fresse! Frontmann und Basser Ricky sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum, feuert die Meute an und sorgt gemeinsam mit seinen Mitstreitern für beste Stimmung. Die Band wirkt dabei sehr sympathisch und hat sichtlich Spaß an der Sache. Auch Drummer Lorenzo setzt ein klares Zeichen und präsentiert während des Gigs mehrfach sein unmissverständliches „FCK NZS“-Shirt. Musikalisch setzen die Jungs aus Antwerpen auf einen kompromisslosen Mix aus Death Metal und klassischen Thrash-Einflüssen. Das ist zwar nicht unbedingt revolutionär, funktioniert live aber hervorragend. Ein besonderes Schmankerl hebt sich die Band bis zum Schluss auf. Per Publikumsabstimmung dürfen die Fans entscheiden, ob es ein Cover von MORBID ANGEL oder SLAYER geben soll. Die Wahl fällt knapp zugunsten der Thrash-Legenden aus - und mit „Necrophiliac“ hauen die Belgier schließlich noch eine richtige Granate raus. Passt!

 

NIGHT IN GALES

NIGHT IN GALES gehören tatsächlich schon seit drei Jahrzehnten zu den wohl konstantesten Vertretern des deutschen Melodic Death Metal - auch wenn ihnen der ganz große Durchbruch bis heute leider verwehrt bleibt. Warum eigentlich, fragt man sich nach diesem Auftritt einmal mehr. Die Zeltbühne ist proppenvoll und die Band nutzt ihre leider nur 30 Mnuten Spielzeit, um mal wieder unter Beweis zu stellen, warum sie sich seit Jahren einen so guten Ruf im Underground erspielt hat. Schon mit „Dawnlight Garden“ ist klar, wohin die Reise geht: klassischer Göteborg-Sound mit packenden Melodien! Stücke wie „The Spears Within“, „Into The Evergrey“ oder „Transition To Doom“ verbinden Eingängigkeit mit genug Härte, ohne jemals beliebig zu wirken. Gerade Fans der frühen AT THE GATES dürften hier wohl ihre wahre Freude haben! Die Band aus NRW hat sichtbar Spaß, ist voller Energie und spielt ihre Songs mit einer Spielfreude, die sofort aufs Publikum überspringt. Zwischen den neueren Nummern reihen sich auch Klassiker wie „Razor“, „Autumn Water“ oder „Sylphlike“ ein, die immer noch zeitlos gut sind! Der Sound indes ist druckvoll und transparent, jede Melodie kommt sauber zur Geltung, ohne dass der nötige Biss verloren geht. Die Menge vor der Bühne feiert den Auftritt nach allen Regeln der Kunst. Am Ende der Show gibt es dann noch mal eine kleine Überraschung: Statt eines eigenen Songs verabschieden sich NIGHT IN GALES mit einem Cover von IRON MAIDENs „Iron Maiden“. Ein Rausschmeißer, der noch mal ordentlich für Stimmung sorgt. Alles in allem ein starker Auftritt einer Band, die eigentlich deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte!

Setlist NIGHT IN GALES

Dawnlight Garden

The Spears Within

Into the Evergrey

Transition to Doom

Razor

Autumn Water

Sylphlike

Iron Maiden (Iron Maiden-Cover)

 

SKELETAL REMAINS

Anschließend ist es Zeit für SKELETAL REMAINS, die um 17:45 Uhr auf der Mainstage loslegen. Die Amis gehören längst zu den festen Größen der modernen Death-Metal-Szene. Während viele andere Bands ihren Sound mit den Jahren technischer oder progressiver ausrichten, schlagen die Kalifornier konsequent den gegenteiligen Weg ein: noch brutaler und kompromissloser. Und das ist auch gut so! Ganz rund läuft es zu Beginn allerdings noch nicht. Der Sound wirkt beim ersten Song etwas dünne, doch die Technik reagiert schnell und ein paar Minuten später ist der Sound angemessen druckvoll. Musikalisch gibt‘s eine fette Portion Todesmetall, der zwar tief in den späten 1980ern und frühen 1990ern verwurzelt ist, inzwischen aber deutlich brutaler klingt als noch vor einigen Jahren. Rasende Blastbeats treffen immer wieder auf zähe Midtempo-Grooves. Songs wie „Beyond Cremation“ oder „Devouring Mortality“ zünden beim Publikum sofort. Große Ansagen oder spektakuläres Stage-Acting sucht man hier übrigens vergeblich, stattdessen konzentrieren sich die Kalifornier voll und ganz auf ihre Songs. Die Haare kreisen ununterbrochen und besonders Drummer Ruston Grosse sorgt mit seiner beeindruckenden Performance für staunende Gesichter im Publikum. Vor der Bühne könnte es zwar etwas voller sein, doch die gnadenlose Nachmittagssonne fordert ihren Tribut. Die Fans, die sich trotzdem ins Infield wagen, lassen sich indes nicht lange bitten: Kaum stimmt der Sound, entsteht auch schon der erste Circle Pit. SKELETAL REMAINS liefern eben genau das, was man von ihnen erwartet - kompromisslosen Death Metal ohne unnötigen Schnickschnack!

 

DÖDSRIT

Auf DÖDSRIT freue ich mich schon den ganzen Tag. Die Schweden haben mich bereits beim Inferno Metal Festival In Norwegen komplett abgeholt und seitdem war klar: Diesen Auftritt lasse ich mir auf gar keinen Fall entgehen! Entsprechend früh geht es für mich in die Zeltbühne, die wie erwartet brechend voll ist. Kaum legen DÖDSRIT los, wird sofort klar, warum die Band in den letzten Jahren so viele neue Fans gewonnen hat. Die Mischung aus Black Metal und Crust besitzt eine unglaubliche Wucht, wird aber immer wieder von diesen epischen Gitarren-Doppelläufen durchzogen, die unweigerlich an die klassische Lead-Gitarrenarbeit von Iron Maiden erinnern. Genau dieser Kontrast macht den Sound der Schweden meines Erachtens so besonders. Leider ist der Sound jedoch diesmal nicht perfekt. Vielleicht liegt es an unseren Spot (stehen hinten links von der Bühne, Richtung Toiletten) oder an den inzwischen tropischen Temperaturen im Zelt - jedenfalls ist der Sound zeitweise ein bisschen matschig. Anyway - DÖDSRIT machen einen großartigen Job und verwandeln das Zelt trotz der schwierigen Bedingungen in einen einzigen Hexenkessel. Und eines ist klar - die Schweden gehören inzwischen zu den spannendsten Vertretern ihres Genres. Auch wenn der Sound für mich dieses Mal nicht ganz mitspielt, kann man doch mit Fug und Recht behaupten, dass DÖDSRIT einfach eine verdammt starke Live-Band sind!

 

GRAVE

GRAVE gehören zu den Bands, auf die viele sehnsüchtig warten. Und das völlig zurecht, sind die Jungs live doch einfach immer eine sichere Bank. Die Schweden treten heute in ihrer legendären Frühbesetzung mit Ola Lindgren, Jörgen Sandström, Jonas Torndal und Jens Paulsson auf. Und dazu gibt es ausschließlich Material der ersten drei Alben! Allein diese Ankündigung sorgt schon im Vorfeld für Vorfreude! Entsprechend gut gefüllt ist das Infield, als die ersten Töne von „Into The Grave“ erklingen. Mit dem Titelsong des Debüts lassen GRAVE von der ersten Minute an keine Zweifel daran, was hier und heute Phase ist: eine Reise zurück in die Anfangstage des schwedischen Death Metal. Und was soll ich sagen? Die Skandinavier liefern genau das ab, was wir alle erwartet haben - kompromisslosen Todesmetall ohne Gedöns. Besonders gespannt bin ich auf Jörgen Sandström. Ich habe GRAVE zwar schon häufig gesehen, allerdings immer mit Ola Lindgren am Mikrofon. Die Klassiker nun endlich wieder von Jörgen singen zu hören, ist schon großartig! Spätestens bei „You'll Never See…“ bekomme ich Gänsehaut. Und die Setlist lässt ohnehin kaum Wünsche offen. „Day Of Mourning“, „Turning Black“, „Morbid Way To Die“, „Deformed“, „Christi(ns)anity“, „For Your God“, „Brutally Deceased“ oder „Reborn Miscarriage“ - hier folgt eine Granate auf die andere! Vor der Bühne wird gebangt, gegrinst und mitgesungen, was das Zeug hält. Insgesamt eine Show, die wohl niemanden enttäuscht zurücklässt. Für einige sind die Schweden sogar der heimliche Headliner des Tages!

Setlist GRAVE

Into the Grave

Day of Mourning

Turning Black

You'll Never See

Morbid Way to Die

Deformed

Christi(ns)anity

For Your God

Brutally Deceased

Reborn Miscarriage

Soulless

...And Here I Die...Satisfied

 

TIAMAT

TIAMAT gehören wahrscheinlich zu den Bands, die für viele Metalheads meiner Generation eine ganz besondere Bedeutung haben. Alben wie „Clouds“ oder „Wildhoney“ liefen damals in den 1990ern zumindest bei mir rauf und runter. Die Vorfreude auf den heutigen Gig wird allerdings auch von einer gewissen Unsicherheit begleitet, denn in den vergangenen Jahren habe ich die Schweden des Öfteren gesehen und live nicht mehr als besonders spektakulär wahrgenommen. Los geht’s mit „In A Dream“ vom „Clouds“-Album, und spätestens jetzt werden Erinnerungen wach. Die Band präsentiert sich bestens eingespielt, der Keyboard-Sound transportiert diesen unverwechselbaren, melancholischen Charakter der frühen TIAMAT-Alben perfekt und auch der Sound kann sich hören lassen. Mit „Clouds“, „The Sleeping Beauty“ und „A Caress Of Stars“ folgen gleich die nächsten Klassiker, die bei vielen Fans direkt für Gänsehaut sorgen dürften. Gesanglich ist aber leider nicht alles perfekt. Frontmann Johan Edlund wirkt stellenweise kraftlos, setzt vereinzelt zu früh ein oder gönnt sich zwischendurch kleine Verschnaufpausen. Trotzdem habe ich aber nicht das Gefühl, dass ihm der Auftritt egal wäre. Vielmehr freut er sich sichtbar über die Reaktionen des Publikums, lobt immer wieder seine Band und scheint ehrlich dankbar zu sein, hier und heute spielen zu dürfen. Seine Bandkollegen tragen ihren Teil ebenfalls dazu bei und liefern den ganzen Abend über eine konstant starke Leistung ab. Mit „Divided“ gibt’s dann einen kleinen Ausflug in die spätere Schaffensphase der Schweden, bevor die Show endgültig in „Wildhoney“-Gefilde eintaucht. „Whatever That Hurts“, „The Ar“ und „The Visionaire“ gehören auch heute noch zu den ganz großen Momenten der Bandgeschichte und funktionieren live nach wie vor hervorragend. Klar hätte ich mich persönlich auch über einen Song von „Astral Sleep“ gefreut, aber das wäre bei dieser Setlist wohl Jammern auf hohem Niveau. Einen der absoluten Höhepunkte des Gigs bildet wohl „Gaia“. Bereits das Instrumental „25th Floor“ kündigt diesen Klassiker an und spätestens jetzt macht sich vor der Bühne eine ganz besondere Stimmung breit. Johan verabschiedet sich, während die Band den Song souverän zu Ende spielt. Es ist heute sicher kein perfekter Auftritt, denn Johan Edlund wirkt gesundheitlich doch etwas angeschlagen. Aber die Band spielt stark und die Songauswahl ist definitiv über jeden Zweifel erhaben. Unterm Strich: Manchmal muss eben nicht alles perfekt sein, um einen zu berühren.

Setlist TIAMAT

In a Dream

Clouds

A Caress of Stars

The Sleeping Beauty

Divided

Wildhoney

Whatever That Hurts

The Ar

Visionaire

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25th Floor

Gaia

 

FULCI

Anschließend zieht es uns für den letzten Abriss des Wochenendes noch einmal in die Zeltbühne, wo das krasse Kontrastprogramm in Form von FULCI auf der Bühne steht. Die Italiener gehören aktuell zu den wahrscheinlich heißesten Eisen im Death Metal. Mit dem Intro steigt die Spannung, während auf der Leinwand hinter der Band Filmszenen des italienischen Horror-Meisters (und Namensgebers) Lucio Fulci zu sehen sind. Das passt natürlich perfekt zur morbiden Atmosphäre der Songs. Als es anschließend mit „Rotten Apple“ weitergeht, explodiert die ohnehin schon völlig überfüllte Zeltbühne. Der Sound hat am Anfang noch Luft nach oben, doch spätestens mit „Matul Tribal Cult“ und dem brachialen „Apocalypse Zombie“ ist auch dieses Problem gelöst. FULCI knüppeln sich mit chirurgischer Präzision durch ihr Set. Frontmann Fiore growlt nach allen Regeln der Kunst, während seine Mitmusiker eine brutale Mischung aus Slam, Brutal Death Metal, Old School und modernen Einflüssen auf die Meute loslassen. Zwischen den Songs bleibt kaum Zeit für Ansagen. Braucht hier aber auch niemand. Die Fans heute Abend wollen offensichtlich genau das, was FULCI liefern: kompromisslosen Death Metal! Vor der Bühne kreisen die Haare, Fäuste ragen in die Luft und verschwitzte Körper fliegen in alle Richtungen. Es herrscht der vielleicht wildeste Moshpit des gesamten Festivals. Egal ob ältere Songs wie „Apocalypse Zombie“ oder neuere Stücke wie „Maniac Unleashed“, alles zündet beim Publikum sofort. Mit „Eye Full Of Maggots“, „Stabbed, Gutted And Loved“ und dem abschließenden „Vile Butchery“ beenden die Italiener ihr knapp 40minüziges Set schließlich. Was für ein Abriss!

Setlist FULCI

Glass

Rotten Apple

Uman Scalp Collection

Matul Tribal Cunt

Apocalypse Zombie

Lonely Heart

Maniac Unleashed

Voodoo Gore Ritual

Tropical Sun

Splatter Fatality

Nightmare

Tomb

Eye Full Of Maggots

Among The Walking Dead

Vile Butchery

 

GORGOROTH

Nach diesem kompletten Abriss wird es Zeit für eine gehörige Portion norwegischen Black Metal. GORGOROTH entern die Hauptbühne - und zwar zum ersten Mal überhaupt in Obermehler, nachdem ihr letzter Party.San-Auftritt bereits 2007 in der alten Location in Bad Berka stattfand. Für mich als großer Fan der Norweger ist das natürlich Pflichtprogramm. Vor allem, weil heute Hoest am Mikro steht, ist die Vorfreude riesig. Ich finde Hoest nicht nur mit TAAKE, sondern auch als GORGOROTH-Frontmann einfach stark. Viel Gedöns brauchen die Norweger übrigens nicht. Ein schlichtes Backdrop mit Bandlogo, rote Lichtstimmung und immer wieder lodernde Feuer aus den Fässern am Bühnenrand reichen völlig aus, um die passende Atmosphäre zu schaffen. Der Schwerpunkt der Setlist liegt auf den frühen Alben, vor allem „Under The Sign Of Hell“, dazu gibt’s jede Menge Klassiker von „Pentagram“, „Antichrist“ und „Incipit Satan“. Ganz große Überraschungen auf der Setlist gibt’s nicht, aber das stört kaum. Songs wie „Bergtrollets Hevn“, „Profetens Åpenbaring“, „Incipit Satan“ oder das abschließende „Unchain My Heart“ funktionieren einfach immer. Während Infernus und seine Mannen den Black Metal eher stoisch zelebrieren, übernimmt Hoest den aktiven Part der Show. Mit seinem gewaltigen Nieten- und Lederschmuck bewaffnet fegt er praktisch pausenlos über die Bühne. Auch spielerisch gibt es nichts zu meckern. Die Band zockt kompromisslos, tight und ohne unnötige Ansagen. Genau so muss GORGOROTH klingen. Nach gut 50 Minuten ist die Show leider schon wieder vorbei - bei Vollmond und zu den Klängen des Bram Stoker's Dracula-Soundtracks endet dieser großartige Auftritt. Für mich ein weiteres Highlight des heutigen Samstags!

Setlist GORGOROTH

Bergtrollets Hevn

Aneuthanasia

Prayer

Katharinas Bortgang

Revelation of Doom

Forces of Satan Storms

Ødeleggelse og undergang

Blood Stains the Circle

Cleansing Fire

Destroyer

Incipit Satan

Krig

Kala Brahman

Unchain My Heart

 

BLOODBATH

Mit BLOODBATH wartet anschließend der Samstagsheadliner und somit die letzte Band des diesjährigen PSOA auf uns. Die schwedisch-britische Death Metal-Supergroup ist längst eine Institution und auch wenn inzwischen nur noch Anders Nyström als letztes verbleibendes Gründungsmitglied dabei ist, sind Songs wie „So You Die“, „Like Fire“, „Breeding Death“ oder „Cancer Of The Soul“ einfach zeitlose Abrissbirnen. Genau mit „So You Die“ eröffnet die Band ihr Set und liefert von Anfang an ordentlich ab! Optisch hat sich allerdings einiges verändert. Von den früheren blutgetränkten Outfits oder aufwendigen Verkleidungen ist nichts mehr übrig. Stattdessen stehen BLOODBATH ganz entspannt in Band-Shirts und Basecaps auf der Bühne. Auch besetzungstechnisch gibt es Veränderungen: Joakim Antman (von LIK) übernimmt derzeit den Bass und Anders Nyström ist als einziger Gitarrist am Start. Sänger Nick Holmes (von PARADISE LOST) klingt an diesem Abend überraschend tief und grunzig. Teilweise fragt man sich schon, wie viel davon seiner eigentlichen Stimme und wie viel seinem Effektgerät geschuldet ist, doch am Ende des Tages passt alles perfekt. Zwischen den Songs lockert er die Stimmung mit seinem gewohnt trockenen britischen Humor auf, während sich die Band routiniert durch ihre Setlist zockt. Vor der Bühne ist trotz der späten Spielzeit immer noch einiges los, auch wenn sich das Infield bereits etwas gelichtet hat. Nach drei Festivaltagen ist ein Teil der Fans eben nicht mehr ganz fit. Natürlich darf zum Schluss der unumgängliche Klassiker „Eaten“ nicht fehlen, bevor das diesjährige PSOA endgültig zu Ende ist. Wir verlassen das Infield mit einem zufriedenen Grinsen!

Setlist BLOODBATH

So You Die

Soul Evisceration

Breeding Death

Like Fire

Putrefying Corpse

Cancer of the Soul

Brave New Hell

Mock the Cross

Let the Stillborn Come to Me

Cry My Name

Eaten

 

FAZIT

Was soll ich sagen? Das Party.San Open Air bleibt für mich einfach das beste Extreme-Metal-Festival überhaupt. Daran ändert sich auch nach der 29. Ausgabe nichts. Drei Tage lang gibt es nahezu ausschließlich großartige Bands, tolle Menschen und eine Organisation, an der sich viele andere Festivals gerne ein bis zwei Scheibchen abschneiden dürfen.


Auch das Billing lässt diesmal wieder kaum Wünsche offen. Es war wirklich wieder für jeden etwas dabei.


Besonders gut war in diesem Jahr wie immer der Sound. Klar, manchmal musste am Anfang eines Auftritts kurz nachjustiert werden, aber in null Komma nix Zeit passte fast immer alles. Gerade auf der Mainstage war der Sound über das komplette Wochenende hinweg richtig stark. Dazu kommen eine entspannte Security und super freundliche Mitarbeiter an den Getränkeständen (liebste Grüße an Dennis vom Cuba Libre-Stand! ? ) und eine Essensauswahl, bei der wirklich jeder fündig wird. Auch ich als Veganerin habe nichts zu meckern. Besonders zu empfehlen ist der afghanische Stand mit den tollen fleischlosen Gerichten.


Natürlich spielt neben den Bands auch die Community eine große Rolle. Genau deshalb fühlt sich das PSOA jedes Jahr wie ein großes Familientreffen an.

 

Und als wäre das alles nicht schon Grund genug, sich auf das kommende Jahr zu freuen, steht 2026 auch noch das 30-jährige Jubiläum an.


Also bleibt am Ende eigentlich nur eins zu sagen: Vielen Dank an das gesamte Party.San-Team, alle Helferinnen und Helfer, die Crew hinter den Kulissen und natürlich an die vielen verrückten Metalheads aus aller Welt, die dieses Festival Jahr für Jahr zu etwas ganz Besonderem machen!

 

Wir sehen uns 2026 wieder in Obermehler, wenn es wieder heißt:

 

„Hell is here!“



IMPRESSIONEN























































Come To The SUMMER BREEZE Open Air!