DEATH TO ALL – Symbolic Healing im Turock Essen

Schon lange bevor im Essener Turock der erste Ton erklingt, ist klar, dass dieser Abend alles andere als gewöhnlich wird. DEATH TO ALL haben sich mit ihrer „Symbolic Healing“-Show angekündigt und bringen gleich zwei Meilensteine der DEATH-Historie mit: „Spiritual Healing“ feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Jubiläum, während „Symbolic“ auf 30 Jahre zurückblickt. Das Interesse daran ist entsprechend groß - das Turock meldet bereits im Vorfeld komplett „ausverkauft“!
Und so ist das Turock wirklich so proppenvoll, wie wir es schon lange nicht mehr erlebt haben. Draußen indes klettert das Thermometer weit über die 30-Grad-Marke, während uns die Temperatur drinnen fast schon Sauna-Vibes gibt. Die Luft ist bereits zum Schneiden, bevor überhaupt die erste Band die Bühne betritt.

Aber vor dem Gig haben wir noch die Ehre, einen ganz besonderen Gesprächspartner zu treffen: Im klimatisierten Tourbus nehmen wir uns Zeit für ein Interview mit Gene Hoglan. Der Drummer ist selbst ein Teil der DEATH-Geschichte und spricht mit uns unter anderem über seine Zeit mit Chuck Schuldiner, seine Erinnerungen an die damalige Band und die besondere Bedeutung, die die Musik von DEATH bis heute für ihn besitzt. Damit ist die Vorfreude auf den Abend endgültig geweckt!
CRYPTIC SHIFT
Den Auftakt des Abends übernehmen CRYPTIC SHIFT aus Leeds. Die noch junge Band bringt mit ihrem technisch anspruchsvollen Death Metal genau die richtigen Voraussetzungen mit, um das Publikum auf DEATH TO ALL einzustimmen. Hier und heute hat das Quartett mit „Overspace & Supertime“ sein nunmehr zweites Album im Gepäck. Hier trifft technischer Death Metal auf progressive Elemente und immer wieder auf atmosphärische, beinahe sphärische Passagen. Damit bewegt sich die Band stilistisch durchaus in einem Umfeld, das hervorragend zum späteren Hauptact passt. Gerade die progressiveren und technisch verspielten Momente lassen dabei immer wieder Erinnerungen an die spätere Schaffensphase von DEATH aufkommen, ohne dass CRYPTIC SHIFT dabei wie eine bloße Kopie wirken. Die Band um Gitarrist und Sänger Xander Bradley zockt mit viel Spielfreude und ordentlich Druck und trotz der hohen Temperaturen sorgen die Jungs schon einmal für eine amtliche Stimmung im Turock. Als Support für DTA erweisen sich CRYPTIC SHIFT jedenfalls als stimmige Wahl!
DEATH TO ALL
Noch bevor auch nur einer der legendären Musiker die Bühne betritt, macht das Publikum im Turock unmissverständlich klar, worauf es wartet: Immer wieder schallen „Death!“-Rufe durch das Turock. Als dann schließlich die ersten Töne des „Infernal Death“-Intros erklingen, gibt’s vor der Bühne kein Halten mehr. Die ersten Moshpits entstehen, und mit „Living Monstrosity“ und „Defensive Personalities“ steigen DEATH TO ALL direkt mit zwei Stücken von „Spiritual Healing“ ein.
Max Phelps, Steve DiGiorgio, Gene Hoglan und Bobby Koelble stehen dabei vor einer Aufgabe, die größer kaum sein könnte: Sie tragen das musikalische Vermächtnis von Chuck Schuldiner weiter! Aber schon nach den ersten Songs zeigt sich, dass daran kein Zweifel bestehen muss. Die vier Musiker meistern das Ganze mit Bravour! Mit „Lack of Comprehension“ vom „Human“-Album geht es erstmals über den eigentlichen Schwerpunkt der „Symbolic Healing“-Tour hinaus. Der Song bringt genau das zusammen, was DEATH so einzigartig macht: technische Raffinesse, komplexe Strukturen und kompromisslose Härte. Und während die Temperatur im prall gefüllten Turock mittlerweile immer weiter steigt, werden auf und vor der Bühne keine Gefangenen gemacht. Steve DiGiorgio übernimmt zwischendurch das Mikro und bringt die Situation mit einem trockenen „We’re all gonna die!“ ziemlich treffend auf den Punkt. Gleichzeitig erinnert er an Chuck Schuldiner und dessen musikalisches Vermächtnis, das DEATH TO ALL mit dieser Tour weiterleben lassen. Die Reaktion des Publikums fällt entsprechend begeistert aus. Danach nimmt die Show mit „Altering the Future“ noch einmal deutlich Fahrt auf. Spätestens beim folgenden „Zombie Ritual“ ist die Meute endgültig außer Kontrolle. Der Klassiker vom Debüt „Scream Bloody Gore“ gehört zu den großen Momenten des Abends und sorgt trotz Saunatemperaturen für kollektives Ausrasten im Publikum. Mit „Within the Mind“ und „The Philosopher“ geht‘s anschließend weiter durch die Geschichte von DEATH, bevor man mit „Spiritual Healing“ den ersten großen Abschnitt des Konzerts abschließt. Dieser Song wird von den Fans textsicher mitgesungen - ein beeindruckender Beweis dafür, wie tief die Musik von Chuck auch nach Jahrzehnten noch in der Metal-Community verwurzelt ist. Danach geht’s weiter mit dem zweiten Teil des Abends: „Symbolic“. Und hier halten sich DTA konsequent an die Albumreihenfolge. „Symbolic“, „Zero Tolerance“, „Empty Words“, „Sacred Serenity“ – Song für Song geben die Jungs das komplette Meisterwerk von 1995 zum Besten. Musikalisch dürfte das ohnehin eine Herausforderung sein, aber die vier Musiker zocken sich mit einer bemerkenswerten Souveränität durch das Set. Und Max Phelps Chucks Vocals und Gitarrenparts tatsächlich mit einer Selbstverständlichkeit, die inzwischen auch die letzten Skeptiker überzeugt haben dürften! Was dann passiert, sorgt allerdings für eine kurze Zwangspause: Mitten im Set lösen sich Teile der Deckenverkleidung und sorgen dafür, dass die Show kurz unterbrochen werden muss. Ein wenig Leiter- und Technikereinsatz später ist das Problem behoben und die Show kann weitergehen! Gene Hoglan nimmt den Zwischenfall später mit Humor und kommentiert, Essen sei offenbar so heavy geworden, dass selbst das Gebäude eine Pause gebraucht habe. Aber zum Glück bleibt es bei diesem kurzen Schreckmoment. Denn noch stehen einige der größten Kracher des „Symbolic“-Albums auf der Setlist. „1,000 Eyes“, „Without Judgement“, „Crystal Mountain“ und „Misanthrope“ folgen, bevor mit „Perennial Quest“ das reguläre Set seinen Abschluss findet. Jedoch lassen wir DEATH TO ALL selbstverständlich nicht einfach so von der Bühne, so dass die Jungs für die Zugaben noch einmal auf die Bühne zurückkehren und mit „Spirit Crusher“ vom „The Sound of Perseverance“-Album noch eine weitere Granate raushauen. Was danach kommt, ist der perfekte Schlusspunkt für diesen Abend: „Pull the Plug“. Der Klassiker vom Debüt-Album entfesselt noch einmal die letzten Kraftreserven im Turock, bevor nach knapp zwei Stunden und gefühlten 45 Grad wahrscheinlich bei jedem Besucher der Akku leer sein dürfte. Was für ein denkwürdiger Abend!